Ein modulares Raumsystem für die Bewegungsbaustelle: Das Turnhaus

Demographische Entwicklungen und die Veränderun­gen im Sport- und Freizeitverhalten zeigen eine deutliche Verschiebung des Raumbedarfs vom großflächigen, aufwändigen DIN-Sporthallentyp mit 400 m² - 1215 m² Nutzfläche hin zu flexiblen, kleinmaßstäblichen Raumsystemen mit ca. 100 m² - 375 m² Nutzfläche.

 

Bedarfsverschiebung vom großräumigen zum kleinmaßstäblichen modularen Raumsystem mit bedarfsangepassten Erweiterungs- und Umnutzungsoptionen (Skizze: Planungsbüro Koch, Oldenburg / G. Acker)

 

Wenngleich der Deutsche-Turner-Bund (DTB) bereits Anfang der 2000er Jahre mit dem breit angelegten Projekt „Turn-Mehrzweckhallen“ auf diese Entwicklungen einging, finden sich kleinere Bewegungshallen für eine alle Sinne ansprechende Wahrnehmungsqualität, für Mehrfunktionalität und für die Idee der Öffnung für alle – mit einem breiten Angebot an Spiel-Sport und Bewegung, für Jung und Alt, für Kinder, Jugendliche und Familien, für Menschen mit und ohne Handicap – noch immer viel zu selten. Diese Lücke schließt das modulare „Turnhaus“, in dem sich der Nutzer in vielfältigen Bewegungsformen des Schwingens, Springens, Schwebens, Gleitens, Balancierens und Kletterns spontan und in gestalterischer Freiheit erproben kann – und dies vor allem in einem Ambiente, in dem er sich wohl fühlt.

Die Bewegungsbaustelle aus LOQUITO-Bauteilen in Bad Essen – Ursprung und Vorbild des modularen Turnhauses

 

Gemeinsam mit dem Oldenburger Architekten Jürgen Koch, einer der maßgeblichen Initiatoren des Zukunftsmodells „Turn-Mehrzweckhallen“, haben wir mit dem „Turnhaus“ einen neuen Raumtyp entworfen, der dem oben skizzierten Wandel der Nutzungserwartungen und Raumanforderungen entspricht: einerseits hinsichtlich der Grundidee der pädagogisch inspirierten LOQUITO-Bewegungsbaustelle, die – mit vielseitig einsetzbaren Geräten und den dazu passenden Ausstattungselementen innerhalb der Wand-, Decken- und Bodensysteme – auf die Förderung von Ganzheitlichkeit setzt (Lernen mit allen Sinnen) und andererseits bezogen auf ein bedarfsgerechtes Raumangebot, das sich an „humanökologischen Planungsgrundsätzen“ orientiert – mit besonderen Wünschen an die Qualität des Standorts, den Erlebnisgehalt der Räume, die Entfaltung sozialer und motorisch-gesundheitlicher Anforderungen sowie die ressourcenschonende Bau- und Betriebsweise der Anlage.

Das Projektberatungsbüro Koch aus Oldenburg ist spezialisiert im freizeit- und gesundheitsorientierten Sport-Mehrzweckhallenbau, u. a. im Rahmen von zahlreichen Kooperationsprojekten mit Universitäten, Fachhochschulen und Sportverbänden sowie bundesweit seit Jahren im Bereich der kommunalen Sport- und Sportraumentwicklung tätig. Dabei zählt die Planung einer bedürfnisorientierten Spiel- und Bewegungsumwelt im Einklang mit den ökologischen und ökonomischen Projektanforderungen zur Kernkompetenz des Büros.
Aus diesem Grund bietet sich zwangsläufig eine enge Verknüpfung der beiden innovativen Angebotssysteme Turn-Mehrzweckhalle und LOQUITO-Bewegungsbaustelle zum neuen Raumtyp „Turnhaus“ an.

 

Durchgehende Sichtachsen und raumhohe Glaswände bewirken Transparenz, gestatten ungehinderten Blick ins Freie und versorgen den Innenraum mit Tageslicht (Modellfoto: Planungsbüro Koch, Oldenburg)

 

Das Turnhaus gibt es in drei Größen: mit multifunktionalen Hallenräumen von 10 m x 10 m über 14 m x 14 m bis hin zu 18 m x 18 m. Die Raumhöhen reichen von 4,50 m über 5,50 m bis hin zu 7 m. Das Nutzungsspektrum ermöglicht bis zu drei unterschiedliche Bewegungsebenen, z. B. mit den zentralen Ausstattungselementen „Wandgang“, „Hochsteg“ und „Absprungplattform“. Durch die spezifische Anordnung der Installationen entsteht ein Geräte-Ensemble, das die Nutzer zum Organisieren von komplexen Bewegungsanlässen auffordert. Zusätzliche Aktionsflächen entstehen durch Nischen und eine Galeriezone.

 

Der „vielgliedrige Raum“ der Bewegungsbaustelle – Kernstück eines modernen Turnhauses

 

Das Turnhaus berücksichtigt je nach Gebäudegröße auch den Raumbedarf für normgebundene Sportarten des Turnens, Sportspiele, Gymnastik, Tanz, Fitness und Gesundheit sowie den „freien Raum“ für geräteunabhängige Bewegungs- oder Veranstaltungsinitiativen. Atmosphärische Eindrücke der Leichtigkeit und Transparenz vermitteln raumhohe Glaswände, die einen ungehinderten Blick ins Freie oder in die angrenzenden Innenbereiche des Nebenraumtrakts zulassen. Die gesamte Architektur des Turnhauses erfüllt Qualitätskriterien, die belebend wirken, Freude auslösen, den Zugang zur „Natur“ im weitesten Sinne erleichtern und soziale Grundbedürfnisse der Nutzer ermöglichen. Die Bauweise ist schwerpunktmäßig auf Holz ausgerichtet.
Durch derart vielfältig miteinander verbundene Erlebnisangebote entsteht ein bewegungspädagogisch und human­ökologisch fundiertes Raumkonzept, das den Erwartungen an eine innovative Sportstättenplanung absolut entspricht. Herkömmliche DIN-Sporthallen können dies nicht leisten.

So unterstützen wir Sie bei Planung und Realisierung

Fachplanerische Unterstützung für Ihre Baumaßnahme:

  • Architekturplanung für Modernisierung, Erweiterung und Neubau von innovativen Bewegungsräumen in pädagogischen Institutionen, Vereinen oder Sozial- und Gesundheitseinrichtungen, auch unter Berücksichtigung von betrieblichen und wirtschaftlichen Zielsetzungen
  • Pädagogisch-wissenschaftliche Beratung zur Entwicklung bedarfsgerechter Nutzungs- und Raumprogramme
  • Erfahrungs- und Weiterbildungsangebote zur Erprobung ganzheitlich-integrativer Raum- und Gerätesysteme
  • Vermittlung von übertragbaren Modellprojekten und Kontakten, z. B. zu Ministerien, Sportorganisationen und Forschungseinrichtungen

Bad Essen / Oldenburg, 2019

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