Der Sportraum als Bewegungsbaustelle
Sportraumplanung von Hagedorn vermittelt ungeahnte Körper- und Bewegungserlebnisse und basiert auf der in der motopädagogischen und psychomotorischen Bewegungsforschung entwickelten Idee der „Bewegungsbaustelle“ nach K. Miedzinski. Die Planung schafft den physischen Rahmen (die Hülle), damit die Bewegungsbaustelle als pädagogisches Konzept überhaupt erst umgesetzt werden kann.
Warum sollen Kinder, Schüler, Jugendliche oder Erwachsene ihre Bewegungsumwelt nicht selbst gestalten und im Rahmen ihrer individuellen Möglichkeiten kontinuierlich erweitern? Dieser Frage gingen Gebrüder Hagedorn nach und entwickelten das LOQUITO Baukasten- und Schaukelrohrsystem zur psychomotorischen Entwicklungsförderung. Die Bauteile können in vielfältiger Weise bewegt, verändert oder im Deckenbereich zu komplexen Bewegungssituationen kombiniert werden. Auf diese Weise entfaltet sich eine Bewegungsumwelt, die neugierig macht und herausfordert zum Tätigsein, Erkunden und Nachdenken.
Eine bewegungspädagogische Sportraumplanung greift ebendiese handlungsorientierten Prozesse auf und ist sich des Einflusses auf die besonderen Herausforderungen des psychomotorisch und inklusiv orientierten Bewegungsunterrichts bewusst. Hagedorn setzt auf das Zusammenwirken einer pädagogischen, sich am Bedarf der Nutzer orientierten Gebäudehülle mit einer darunter vereinten, auf die Förderung von Ganzheitlichkeit ausgerichteten Turn- und Bewegungsumwelt. Somit beschreiben die innovativen Bewegungsansätze psychomotorischer Anforderungen an Raumfunktionen ein zeitgemäßes Konzept der Architektur und Pädagogik, bei dem Sporträume so gestaltet werden, dass sie die körperlich-geistige Entwicklung (Pädagogik) durch vielfältige Bewegungsangebote des „Natürlichen Turnens“ (Architektur) aktiv fördern.
Bewegungspädagogische Räume sind also keine statischen Hüllen oder rein architektonisch-baulichen Gefüge, sondern dienen als funktionale „dritte Erzieher“. Das bedeutet auch, die Sporteinbaugeräte (alle fest eingebauten Installationen im Decken-, Wand- und Bodenbereich) nicht nur funktional zu platzieren, sondern sie gestalterisch so einzusetzen, dass sie eine Verbindung der Bewegungsanlässe erzeugen, unterbrechen oder betonen.
Damit die Planung nicht am Bedarf der Kinder, Schüler und Lehrer vorbeigeht, ist die Qualität eines Bauprojekts für Hagedorn immer auch ein Ergebnis rückhaltloser Mitsprache der Nutzer, deren Urteil viel zu oft eine nur untergeordnete Rolle spielt. Deshalb kalkuliert Hagedorn die kreativen Potentiale aller am Projekt Beteiligten mit ein und setzt von vornherein auf den dazu notwendigen Dialog.


